Reisebericht USA-Nordwesten und Westkanada mit dem Wohnmobil

USA-Nordwesten und West-Kanada mit dem Wohnmobil



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On the road again – endlich wieder unterwegs in USA und Kanada

Endlich mal wieder eine Tour in den USA und Kanada. Geplant ist eine große Runde Denver (Colorado) - Mt. Rushmore / Custer State Park (South Dakota) – Yellowstone (Wyoming) und weiter nach Kanada: Banff – Icefield Parkway – Vancouver – Vancouver Island, Dauer fünf Wochen.

Aber erst muss unser in Florida abgestelltes Motorhome nach Colorado kommen. Diese Überführung (rd. 1.900 Meilen = 3.000 km) mache ich allein. Am 3. Juni 2012 fliege ich nach Florida, eine Woche später will ich B. am Flughafen Denver abholen.

Die drei nächsten Tage sind komplett angefüllt u.a. mit der Vorbereitung des Motorhomes, Erneuerung des Führerscheins, Einkäufen etc. Von der langen Standzeit (Sommer im storage, Winter auf unserem festen Stellplatz) sind die Reifen, vor allem die vorderen, inzwischen eher eiförmig als rund, was sich natürlich sehr deutlich beim Fahren bemerkbar macht. Ich beiße in den sauren Apfel und bestelle beim Reifenhändler zwei neue Reifen für die Vorderräder.

Sie sollen mit Sicherheit früh am nächsten Morgen da sein. Ich bin schlau und rufe morgens an, um mir das bestätigen zu lassen, bevor ich losfahre. Beim Reifenhändler wird der Wagen vorn aufgebockt, die Vorderräder werden abmontiert und die Reifen von den Felgen genommen. Dann werden die neuen Reifen aus einer Ecke herangerollt. Ich werfe einen Blick darauf: Die falsche Größe !! Jetzt warten wir erst einmal zwei Stunden auf die außerplanmäßige Lieferung der richtigen Reifen.

Auf der Rückfahrt will ich volltanken, nach ein paar Gallonen sehe ich eine große Pfütze unter dem Wagen. Au weia !! Morgen will ich doch losfahren. Wieder zurück zu einer kleinen RV-Werkstatt, die kennen mich schon aus dem Vorjahr. Zum großen Glück hat sich nur ein Schlauch am Tank gelockert, der sofort befestigt werden kann, und das auch noch kostenlos.


Von Florida nach Missouri (Tag 1 und 2)

Am 7. Juni geht es um 5.30 Uhr los, kurz vor der Dämmerung. Es regnet viel in den ersten Fahrtstunden, und erst kurz vor Atlanta kommt die Sonne etwas heraus.

Am ersten Tag komme ich quer durch Georgia bis kurz vor Nashville (Tennessee) und übernachte auf dem Old Stone Fort State Park (Manchester TN, $20).

Man steht völlig dunkel mitten im Wald, alles nicht so reizvoll, aber ich will ja nur duschen und früh schlafen. Heute habe ich in 12 Stunden 640 Meilen geschafft und bin jetzt in der nächsten Zeitzone (Central Time).

Übrigens: Über die Benzinkosten möchte ich lieber nicht nachdenken, und ich werde sie auch besser nicht weiter erwähnen. Nur soviel: Nach 550 Meilen habe ich für $200 getankt. Ich habe mich vorher bei gasbuddy.com über die Gegenden mit dem günstigsten Benzinpreis informiert und mir dann dort Walmarts mit Tankstelle neben der Interstate herausgesucht (hier: Dalton GA, Shugart Rd.). Mit meiner Walmart-prepaid-Karte bekomme ich auf den ohnehin günstigen Benzinpreis 3 Cent Nachlass.

8. Juni: Heute lasse ich es etwas langsamer angehen. Abfahrt 6.30 Uhr, ich komme durch Tennessee und Kentucky bis nach Missouri. Kurz vor St. Louis verbringe ich rd. 20 Minuten in einem Stau vor einer einspurigen Baustelle, ansonsten läuft es gut, wie eigentlich immer auf den US-Interstates, kein Vergleich mit den deutschen Autobahnen. Hier kann man stundenlang mit dem Tempomat fahren.

In Warrenton (Missouri) setze ich mich fast eine Stunde mit meinem Laptop in die library (die ich auf meinem Navi in der Nähe der Interstate gefunden habe) und nutze nicht nur das Wlan, sondern auch die Klimatisierung, denn draußen ist es heute ganz schön heiß (30 Grad). Anschließend übernachte ich im Graham Cave State Park in der Nähe ($21). Hier ist der Wald etwas lichter, ein guter Übernachtungsplatz, allerdings sind die meisten Plätze etwas abschüssig und man hört schwach die Autobahn. 

Von Missouri nach Ellis (Kansas)

9. Juni: Abfahrt 6 Uhr beim ersten Tageslicht. In Blue Springs (noch in Missouri) kurz vor Kansas City erst beim Walmart tanken ($3,15 pro Gallone, in allen Staaten ab jetzt wird es deutlich teurer) und anschließend Einkauf beim letzten aldi. In den nächsten Staaten ist er nicht mehr vertreten. Heute ist Samstag, daher komme ich sehr schnell mitten durch Kansas City.

Die rund 30 Meilen von Kansas City nach Topeka sind mautpflichtig ($2,50). In Südeuropa umfahre ich fast immer die Mautstrecken, aber hier ist es erstens sehr viel billiger und zweitens kostet jede Zusatzmeile mit dem Motorhome viel Benzin, da lohnt sich ein Umweg nicht.

Die Fahrt durch Kansas ist tatsächlich so, wie ich es schon oft gehört oder gelesen habe: endlos und langweilig. Es ist wieder heiß und sehr stürmisch.

Um 16.30 Uhr komme ich am Ellis Lakeside Campground an. Es sieht nicht wie ein campground aus, eher wie ein deutscher Stellplatz, aber natürlich viel großzügiger; einfach 15 Plätze nebeneinander unter alten Bäumen zwischen einem Fluss und einer Nebenstraße, ohne Zaun oder sonstige Begrenzung, jeder Platz mit Strom und Wasser sowie Tisch, Grill und Feuerstelle, in der Mitte ein kleines einfaches Sanitärgebäude. Abends kommt die Polizei vorgefahren und kassiert die $15 Gebühr, das ist auch mal was Neues. Aber die Sensation: Auf dem Sanitärgebäude steht eine Antenne, der Platz hat ein zwar schwaches, aber kostenloses Wlan (gut, dass ich meine Zusatzantenne mitgenommen habe).


Der Ort mit 2.000 Einwohnern wirkt wie ein US-Provinznest aus dem Bilderbuch. Der Campingplatz liegt direkt am Ortsrand. Wenn es nicht so heiß und stürmisch wäre, und wenn man sich als Fußgänger in den USA nicht so verdächtig machen würde, könnte man glatt ….. Na ja.

Zufällig bin ich heute genauso weit gefahren wie am Vortag, nämlich 455 Meilen.


Endlich durch Kansas

Nachtrag: Ich nehme alles zurück, was ich über den Ellis Campground geschrieben habe und was irgendwie positiv erscheinen könnte. Es ist ein Ort des Grauens !! Mitten durch den Ort und damit keine 100 m vom Platz entfernt verläuft die Bahnstrecke von Kansas City nach Denver. Wer schon einmal in den USA war, weiß, was das bedeutet. Dass die Erde bei den endlos langen Güterzügen leicht bebt, wäre ja noch zu ertragen. Viel schlimmer sind die ständigen durchdringenden Fanfarenstöße der Lokomotive, die man meilenweit hört. Den ganzen Nachmittag und Abend war Ruhe, aber zwischen Mitternacht und fünf Uhr kommen mehrere Züge, dann wieder nichts bis neun Uhr.

Ich bin zwei Tage zu früh für mein Airport-Date. Aber es läuft natürlich nur deshalb so gut, weil ich diese zwei Tage für unvorhergesehene Probleme in Reserve habe. Erst um 10 Uhr fahre ich weiter. Der Himmel ist blau, aber es ist sehr stürmisch.

Der Sturm wird immer schlimmer, und auf fast 100 Meilen ist der böige Seitenwind so stark, dass ich von den gewohnten 60 auf unter 50 Meilen pro Stunde heruntergehe und trotzdem größte Mühe habe, den Wagen auf der Straße zu halten. In der typischen Kansas-Landschaft – rundum flach und öde bis zum Horizont – gibt es auch nichts, was den Wind bremsen könnte. Die schlimmste Fahrt, an die ich mich erinnern kann. Wohl eher zufällig wird der Wind in der Nähe der Grenze zu Colorado endlich wieder etwas schwächer. 

Zwei Minuten Langeweile, stellvertretend für mehrere Stunden quer durch Kansas:

I-70 Kansas-Colorado


Schon nach dreieinhalb Stunden gehe ich auf einen campground in Colorado, 130 Meilen vor Denver, weil er ein gutes Wlan hat und ich so den Rest des Tages besser verbringen kann als allein in einem State Park (Shady Grove Campground, Seibert CO).


Warten in Denver

Seit gestern mittag (11.06.) stehe ich im Cherry Creek State Park in Denver bei perfektem Wetter. Bis hierhin waren es 1.880 Meilen, und ich hätte sie sogar in dreieinhalb Tagen schaffen können. In ein paar Stunden fahre ich zum Flughafen, dann geht es endlich zu zweit weiter. So ganz toll ist es nicht, allein unterwegs zu sein.

Der Campground im State Park am Rand der Stadt ist sehr hell und weitläufig. Und er hat tatsächlich Wlan ! Andererseits hat er die teuerste Mautstraße, die ich je gefahren bin. Neben der Übernachtungsgebühr von $18 (ohne Anschlüsse) bzw. $26 (full hook-up) muss nämlich für jedes Fahrzeug, das in den State Park fährt, ein Tagespass von $9 bezahlt werden, und das auch für die knappe Meile zum campground. Dafür darf ich aber immerhin am nächsten Tag kostenlos wieder hinaus fahren ! Anders gerechnet sind das jedes Mal $4,50 für eine Fahrt von weniger als einer Meile !


Überführung beendet, die Reise beginnt

12. Juni: Viel zu früh bin ich am Flughafen; um 16.05 Uhr kommt endlich B. an. Mit dem shuttle-Bus fahren wir zum Parkplatz "Pikes Peak shuttle lot", der ist der einzige mit Plätzen für Wohnmobile und kostet nur $1 pro Stunde. Kurz nach fünf geht es dann los. Und schon geraten wir in einen Riesenstau; 20 Minuten lang geht es nur im Schritttempo voran. Daher kommen wir erst um 19 Uhr am Boyd Lake State Park an, rd. 60 Meilen nördlich von Denver. Auch hier außer der Übernachtungsgebühr von $20 wieder $8 für einen day pass nur für die kurze Zufahrt zum Campingplatz.


Ein kleines technisches Problem

13. Juni: Morgens ist es mit 13 Grad noch angenehm kühl, nachmittags werden es wieder 28 Grad. Wir fahren zunächst genau nach Norden, parallel der Autobahn nach Fort Collins, unterwegs Einkäufe im Walmart und Tanken. Hier in Colorado akzeptiert die Tankstelle beim Walmart (Murphy) nicht mehr die prepaid-Karte vom Walmart, ich muss meine Kreditkarte benutzen.

Beim Einsteigen stellen wir fest, dass die elektrische Trittstufe, die beim Öffnen und Schließen der Tür automatisch ein- und ausfährt, nicht mehr funktioniert. Sie bleibt jedesmal in der Mitte hängen und ruckelt eine Weile, dann nichts mehr. Ich drücke sie mit der Hand nach oben, sie kommt aber nach kurzer Fahrt wieder ganz heraus. So können wir nicht fahren.

An der Autobahnauffahrt ist ein RV-Händler. Der Mechaniker stellt ein kaputtes Getriebe fest, das entsprechende Ersatzteil müsste bestellt werden, Dauer zwei Tage. Darauf können wir natürlich nicht warten. Wir schieben die Stufe nach oben, ziehen einfach den Stecker heraus und binden sie fest. Von nun an lösen wir sie, wenn wir abends irgendwo ankommen, und befestigen sie morgens wieder.


Drei Staaten in drei Stunden: Colorado, Wyoming, Nebraska / Carhenge

In Cheyenne (Wyoming) biegen wir für ein kurzes Stück nach Osten ab, dann wieder nach Norden. In drei Stunden waren wir in drei Staaten: Colorado, Wyoming und jetzt Nebraska. Auffallend ist der hervorragende Zustand der Straßen in diesem Teil Nebraskas, sehr angenehm nach der teilweise schlimmen Holperei bisher.

Nördlich von Alliance besuchen wir Carhenge, eine dem englischen Stonehenge nachempfundene Anlage aus alten Autos.




Gegen 16 Uhr kommen wir am Chadron State Park an.


South Dakota: Mount Rushmore und Custer State Park

Am nächsten Morgen ist es nicht weit nach South Dakota. Wir fahren langsam durch den Wind Cave National Park und halten häufig an, um Tiere zu beobachten. Im Park leben u.a. mehrere Hundert Bisons. Wir haben Glück und bekommen einige zu sehen.


Direkt dahinter ist der Custer State Park ($15 pro Fahrzeug). Die enge Straße windet sich bergauf und bergab, auch mit Tunnels, durch eine schöne Landschaft. Am Ende gibt es die ersten Ausblicke auf Mt. Rushmore.


Am Mt. Rushmore ist großer Touristenrummel. Das Parken kostet $11, natürlich gibt es schon weit vorher keine Haltemöglichkeit. Aber der Anblick der aus dem Berg geformten Präsidentenköpfe ist schon beeindruckend.


Auf dem Rückweg in den Custer SP kommen wir nachmittags an einem kleinen privaten campground gerade nordöstlich am Rand des Custer State Parks vorbei, der uns gut gefällt (Wolf Camp). Hier bleiben wir für die Nacht.




Erst spät am Morgen verlassen wir das Wolf Camp mit den äußerst netten und freundlichen Besitzern. Vorher schauen wir noch einmal in das Wolfsgehege. Dieses Camp empfehlen wir gern weiter. Leider haben wir gestern telefonisch für die nächste Nacht einen Platz im State Park reserviert, sonst wären wir noch einen Tag geblieben.

Das Belegungssystem der campgrounds im State Park ist nach unserer Ansicht wenig touristenfreundlich, da ausschließlich Reservierung möglich ist. Auch wenn man auf einem campground ankommt und viele freie Stellplätze sieht, kann man nur dann einen Platz belegen, wenn man eine Reservierungszentrale anruft, die einem dann einen Stellplatz für den gleichen Tag zuweist. Neben der Tagesgebühr von $24 wird dann natürlich auch noch eine Reservierungsgebühr von über $7 fällig. 

Zunächst fahren wir nach Custer und verbringen eine Weile mit dem Laptop in der Bücherei (library), um das gute Wlan dort zu nutzen. Dann fahren wir hinauf zum Sylvan Lake, den wir zu Fuß umrunden.


Am späten Nachmittag belegen wir unseren reservierten Platz auf dem Stockade Lake Campground South, der uns nicht gefällt. Die Stellplätze sind überwiegend abschüssig und schräg, im dunklen Wald, und trotz des Namens ist der Platz zwar in der Nähe des Sees, aber eben nicht am See.



Quer durch Wyoming nach Thermopolis

Sehr früh am nächsten Morgen (16. Juni) brechen wir auf in Richtung Westen über sehr gute, leere Straßen durch eine interessante Landschaft. Von Custer geht es über Moorcroft und weiter auf der I-90 nach Buffalo. Unterwegs begegnet uns auf einer parallel verlaufenden Bahnstrecke einer dieser endlos langen Güterzüge, und wir nutzen die Gelegenheit, die Waggons zu zählen. Es sind 156, mit zwei Loks vorne und einer hinten.

Westlich von Buffalo geht es hoch in die Bighorn Mountains. Die Straße führt in 2.950 m Höhe über den Powder River Pass. Die Abfahrt bietet spektakuläre Aussichten. 

Abfahrt vom Powder River Pass / Descent from Powder River Pass




In Thermopolis landen wir im “Fountain of Youth RV Park“. Der Platz hat wenig zu bieten außer einem dreiteiligen Pool, der aus einer heißen Quelle gespeist wird.



Von Thermopolis nach Cody zum Buffalo Bill State Park

Am Morgen kommen wir durch Thermopolis. Heute ist Sonntag, und bei den dortigen heißen Quellen treffen wir auf eine große Oldtimer-Show. Auf einem Platz sind rd. 100 Autos aufgereiht, dazu laute Oldie-Musik. Das ist etwas für mich !



Nach über einer Stunde fahren wir weiter nach Cody, wo wir tanken (ab jetzt wird es teurer) und beim Walmart unsere Vorräte auffüllen.

Ein paar Meilen hinter Cody wird der Shoshone River zum Buffalo Bill Stausee aufgestaut. Entlang des Sees erstreckt sich der Buffalo Bill State Park mit zwei großen einfachen Campingplätzen. Hier bleiben wir heute, um früh am nächsten Morgen in den Yellowstone Park hineinfahren zu können. Die Sonne scheint, es ist warm, aber es stürmt leider so stark, dass man sich nicht draußen aufhalten kann.



Im Yellowstone Nationalpark

Schon früh am Morgen sind wir im Yellowstone Nationalpark. Die Straße windet sich z.T. steil durch die Berglandschaft.


Bald sehen wir den ersten Bär an der Straße.


Wir kommen am Bridge Bay Campground vorbei, den wir am Tag vorher telefonisch reserviert hatten, und checken schon einmal ein, bevor wir mit mehreren Stopps weiterfahren zum berühmten Old Faithful-Geysir, der innerhalb des größten Geysir-Feldes im Park liegt. Hier halten wir uns einschließlich eines lohnenden Besuchs des Old Faithful Inn über drei Stunden auf.


Auf der weiteren Strecke nach Madison besuchen wir noch einige weitere Attraktionen, u.a. den Firehole Canyon Drive. Es ist warm, aber es stürmt heftig. Dann fahren wir über Norris und Canyon Village, also die Nordostschleife, die 50 Meilen zurück zu unserem Campingplatz.

Etwa vier Meilen vor dem Ziel ist plötzlich die Straße vor uns von einem großen umgestürzten Baum blockiert. Es kann erst ein paar Minuten vorher passiert sein, wir stehen fast an der Spitze des Staus. Der Weg zurück würde 100 Meilen und drei Stunden Fahrt bedeuten. Also warten wir geduldig etwa eine Stunde, bis von der anderen Seite her Ranger mit Kettensägen das Hindernis zerkleinert und zur Seite geschafft haben und die Straße wieder frei ist.


Dadurch kommen wir erst gegen acht Uhr an unserem Platz an und sind froh, schon am Morgen eingecheckt zu haben. Jetzt steht eine lange Fahrzeugschlange vor der Rezeption. Zu unserer Überraschung weidet mitten auf dem Campingplatz ein Bison.



Am “Grand Canyon of the Yellowstone“

19. Juni: Nach dem Riesenprogramm gestern lassen wir es heute etwas langsamer angehen und bewegen uns nur im Südostbereich des Parks. Schon am frühen Nachmittag gehen wir auf unseren nächsten Campingplatz (Fishing Bridge), denn dort haben wir uns für heute mit Freunden aus Florida verabredet, die zufällig zur gleichen Zeit hier sind.

20. Juni: Der Tag beginnt mit 1 Grad C, und auf den Autodächern liegt eine ganz dünne Schicht Schnee. Am Morgen verbringen wir über drei Stunden im Bereich des beeindruckenden “Grand Canyon of the Yellowstone“. Wir erkunden erst die Südseite (South Rim), dann die Nordseite (North Rim), wo wir auch einen steilen Weg mit Serpentinen und Treppen hinunter laufen. Der Rückweg dauert viermal so lang.


Danach verlassen wir Yellowstone über den Nordausgang. Wir sind in Montana; die hervorragende Straße führt durch eine Landschaft, die an das Voralpenland erinnert. In Livingston verbringen wir wieder einmal anderthalb Stunden mit dem Laptop in der öffentlichen Bücherei und nutzen das Wlan. Dann setzen wir unseren Weg zum Glacier Nationalpark fort.

Am späten Nachmittag landen wir kurz hinter Townsend auf dem Indian Road Campground, einem sehr einfachen kleinen Platz schön am Ufer des Missouri River. In unserem Campingführer ist er als Campingplatz gelistet und auch so ausgeschildert, aber es ist eher ein Picknickplatz mit einer Toilette. Die gute Nachricht: Er ist kostenlos. Die schlechte Nachricht: Ganz in der Nähe geht die Bahnlinie vorbei, und nachts ist reger Zugverkehr.



Von Helena über Great Falls nach Valier (Montana)

Nach einer solchen Nacht sind wir morgens etwas langsamer als sonst. In Helena machen wir einige Einkäufe beim Walmart und erinnern uns, dass es in Montana keine sales tax gibt. Jetzt wäre also die Zeit für größere Anschaffungen, aber leider brauchen wir eigentlich nichts. Zumindest je einen neuen Wasser- und Abwasserschlauch leisten wir uns heute.

In Florida gehen wir ab und zu essen im Golden Corral, vor allem weil wir deren Salatbuffet lieben. Hier im Norden ist er fast nicht vertreten, es gibt nur zwei in Montana. Einer davon liegt direkt an der Autobahnausfahrt in Great Falls, das lassen wir uns nicht entgehen.

Am Nachmittag lassen wir uns in Valier auf dem Frances Lake Campground am See nieder. Wann immer es geht, bevorzugen wir die schön gelegenen öffentlichen Campingplätze (State oder County Parks, dies ist ein “City“ Park).


Im Glacier Nationalpark

22. Juni: Der Glacier Nationalpark hält nicht so ganz das, was wir erwartet hatten. Dafür gibt es mehrere Gründe. Es liegt sicher auch am Wetter; heute ist zum ersten Mal der Himmel dunkelgrau und es fallen sogar ein paar einzelne Tropfen. Wir fahren von West Glacier aus in den Park zum Visitor Center. Schon vorher wussten wir, dass die “Going-to-the-Sun-Road“ quer durch den Park nur für Fahrzeuge unter 21 ft Länge (6,30 m) zugelassen ist und wollten einen Shuttle-Bus bis zur Passhöhe in der Mitte und zurück benutzen. Aber der Bus fährt nur im Juli und August !

Die ersten 17 Meilen am McDonald-Lake entlang bis Avalanche dürfen wir noch fahren. Aber die Straße windet sich durch dichten Wald und gibt nur an ganz wenigen Stellen den Blick auf den See und die schneebedeckten Berge frei. Vor dem Verbotsschild nach 17 Meilen ist nur ein enger Wendekreis im Wald, der auch noch mit Pkw zugeparkt ist. Enttäuscht fahren wir wieder zurück; das war wohl nix.


Hinzu kommt, dass der Glacier N.P. für Europäer, die die Alpen kennen, eigentlich nicht übermäßig aufregend ist. Und nach einem Besuch von Yellowstone hält sich wahrscheinlich die Begeisterung ohnehin für eine Weile überall anders in Grenzen. Gut, dass wir wenigstens den NP-Jahrespass haben und nicht noch 25$ für die Einfahrt bezahlt haben.

Wir fahren nach Whitefish auf den dortigen State Park Campground am See, belegen einen Platz und fahren noch einmal eine Meile zurück nach Whitefish, einem ungewöhnlich schönen Ort, der natürlich auch wieder eine library mit Wlan hat. Um 16.30 Uhr ist plötzlich der Himmel wieder blau und die Sonne scheint.



Von Whitefish (MT, USA) nach Whiteswan (B.C., Kanada)

So sollte heute eigentlich die Überschrift lauten. Aber leider kam es anders.

23. Juni: Leider ist der Himmel heute grau. Am Morgen überqueren wir nördlich von Eureka die Grenze nach Kanada; wir sind in British Columbia. Zunächst fahren wir nach Cranbrook. An den Tankstellen sehen wir den Benzinpreis bei 1,32 can$ pro Liter, das sind umgerechnet rd. 5,02 US$ pro Gallone (3,8 Liter). Gut, dass wir in Eureka noch einmal für 3,58 US$ pro Gallone bis an den Rand vollgetankt haben. In einem Einkaufszentrum stellen wir fest, dass auch alle anderen Preise hier wesentlich höher sind als in den USA.

Am Automaten der Scotiabank wollen wir mit unseren Karten der Dt. Bank gebührenfrei Bargeld abheben. Der Automat zeigt sich aber unwillig. Wir parken vor der library (mit Wlan) in der Nähe und telefonieren über skype über eine halbe Stunde mit der Bank in Deutschland. Zum ersten Mal erfahren wir dabei von Wochen- und Monatslimits. Aber zumindest mit einer der beiden Karten klappt es anschließend.


Inzwischen hat der Himmel seine Farbe von hell- auf dunkelgrau geändert. Auf dem weiteren Weg nach Norden biegen wir ab zum Whiteswan Lake. Leider führt nur eine üble 22 km lange Schotterpiste dorthin. Aber dort soll es mehrere Campingplätze geben und unterwegs sollen die heißen Lussier-Quellen liegen, in denen wir baden wollen. Nach 18 km erreichen wir die Quellen. Aber das Wasser ist noch nicht einmal lauwarm - ein Reinfall. 

Als wir zum See weiterfahren, beginnt es zu regnen. Die ersten beiden Campingplätze sind ohne jede Versorgung (= kein Strom, kein Wasser, keine Toiletten), sind eng und im dichten Wald (und kosten $16 !), die beiden nächsten sollen genauso sein. Schon um 15 Uhr ist es auf den Stellplätzen fast dunkel. Da überlegen wir nicht lange. Im strömenden Regen quälen wir uns 22 km Schotterpiste zurück auf die Hauptstraße. Eine knappe Stunde später landen wir im Dry Gulch Provincial Park in Radium Hot Springs, und dort hört es ab und zu auf zu regnen.


Banff im Regen

In Radium Hot Springs fahren wir in den Kootenay-Nationalpark, der weiter östlich in den Banff-Nationalpark übergeht. Die Strecke ist landschaftlich spektakulär, aber leider sehen wir nicht so viel davon, denn es regnet meist.


Auch um Banff herum sind die Berge von Wolken verhangen, aber wenigstens ist es zwischen Schauern immer eine Weile trocken.


Wir belegen einen Platz auf einem der drei Tunnel Mountain Campgrounds (es gibt nebeneinander drei davon: Village I hat keine Anschlüsse, auf Village II haben alle Plätze Stromanschluss, und Trailer Court hat full hook up) und fahren die drei km zurück in das Zentrum. Dort halten wir uns zunächst mal wieder eine Stunde mit unserem PC in der library auf, denn draußen verpassen wir nicht viel.

Anschließend streifen wir mit Massen von anderen Touristen durch den Ort, immer wieder von Schauern unterbrochen. Dabei können wir auch teilweise äußerst geschmackvolle Souvenirs bestaunen.


Um 16 Uhr klart es nach einem Schauer plötzlich innerhalb von ein paar Minuten auf, die Sonne scheint. Jetzt bricht nicht nur bei uns Hektik aus. Wir fahren zuerst zu einem Aussichtspunkt gegenüber dem berühmten Hotel Fairmont Banff Springs.


Danach geht es hinauf zur Talstation der Gondel zum Sulphur Mountain. Dort sind wir nicht allein, wie das Foto des Parkplatzes zeigt. Es gibt jede Menge Wohnmobile hier, und 90 Prozent davon sind Mietmobile, wie man an den Aufklebern sieht.


Anschließend können wir auf dem Campingplatz sogar noch etwas draussen sitzen (wir wissen noch nicht, dass es das einzige Mal ist). Wir sind nicht die Einzigen, die es jetzt ins Freie lockt ...



Lake Louise und Lake Moraine

25. Juni: Wir fahren von Banff die 56 km nach Lake Louise, aber nicht auf dem vierspurigen Trans Canada Highway, sondern über den parallel verlaufenden Bow Valley Parkway. Schon bald sehen wir neben der Straße Tiere. 


Von einem Parkplatz aus gehen wir rd. 20 Minuten den Johnston Canyon hinauf bis zu den unteren Wasserfällen, ein Weg, der sich sehr lohnt. Zwar ist es in der Schlucht noch relativ dunkel, da vor 9 Uhr die Sonne noch nicht hoch genug steht, dafür sind wir fast allein. Auf dem Rückweg begegnen uns Hunderte von Menschen, und auf dem vorher fast leeren Parkplatz stehen nun u.a. fünf Busse.


In Lake Louise fahren wir zunächst die 11 km lange Bergstraße hoch zum Moraine Lake. Leider verschwindet unterwegs die Sonne für den Rest des Tages hinter grauen Wolken.

Lake Moraine


Lake Louise

Unten am Lake Louise entschließen wir uns anschließend zu einer kleinen Wanderung, um den Touristenmassen zu entfliehen. In 3,5 km Entfernung soll es oben am Agnes Lake eine Teestube geben. Das hatten wir uns aber anders vorgestellt. Der Weg führt ständig steil bergauf, und nach dem ersten Kilometer wird er schwer begehbar. Auf dem letzten Teil kämpfen wir mit Schnee- und Eisresten. Das Ziel erreichen wir ziemlich erledigt nach 95 Minuten. Der Agnes Lake ist noch zugefroren. 

Agnes Lake

Auf dem Rückweg fängt es mal wieder an zu regnen. Auch für morgen sagt der Wetterbericht Regen voraus. Wir entscheiden uns, nach Banff zurückzukehren (der Campground in Lake Louise liegt unmittelbar neben den Bahnschienen) und einfach einen Tag abzuwarten, denn den Icefields Parkway nach Jasper wollen wir unbedingt bei schönem Wetter erleben.

26. Juni: Die Wettervorhersage war zutreffend. Der Tag beginnt dunkelgrau, und zwischen 11 und 12 Uhr beginnt es zu regnen. Ab 13 Uhr parken wir direkt vor der library, trinken heißen Kaffee, haben die Heizung an (es ist sehr bequem, ein Wohnmobil zu haben) bei einer Außentemperatur von 8 Grad C und nutzen das Wlan der Bücherei.

Icefields Parkway und Änderung des Reiseplans

27. Juni: Nach fünf Tagen Kälte, Regen und Nebel haben wir die Nase voll. Und der Wetterbericht für die nächsten Tage ist auch nur wenig besser. Und eigentlich haben wir nach Custer, Yellowstone, Glacier und Banff genug Berge gesehen. Daher ändern wir unseren Reiseplan und verzichten auf Jasper und die Strecke über den Wells Grey Provincial Park.

Wir haben schon vorher davon gelesen, und ein kanadischer Nachbar in Banff erzählt viel Positives darüber. Wir wollen in das Okanagan Valley, das sich südwestlich von uns zur US-Grenze erstreckt und manchmal das “Tessin Kanadas“ genannt wird.

Aber den Icefields Parkway von Lake Louise nach Norden fahren wir natürlich auf jeden Fall. In der Nacht hat der Dauerregen aufgehört, und bei 4 Grad C starten wir um 7 Uhr. Leider wird das Wetter hinter Lake Louise wieder schlechter, dichte Wolken und immer wieder Nieselregen. Am Peyto Lake gehen wir vom Parkplatz 10 Minuten durch Schneereste zum tollen Aussichtspunkt.


Peyto Lake

Auch danach lohnt es sich immer wieder (trotz des Wetters), an Halteplätzen und Aussichtspunkten anzuhalten.


Das Columbia Icefield ist die Hauptattraktion der Strecke. Gegenüber dem Visitor Center geht es zu einem kleinen Parkplatz, von dem aus wir bis an den Rand des Gletschers hochgehen können. Das Thermometer zeigt 5 Grad C, aber der eisige Wind ist ganz erheblich kälter. Am Rand entlang führt eine nur für Busse geöffnete Straße ein paar Hundert Meter weiter hoch, wo die großen roten Spezialbusse die Touristenmassen quer auf den Gletscher fahren und sie dort kurz aussteigen lassen ($50). Darauf können wir gut verzichten. Auch sonst finden wir andere Stellen entlang des Icefields Parkway attraktiver als diese. Vielleicht liegt es ja am Wetter.


Wir fahren zurück nach Lake Louise; unterwegs halten wir noch mehrmals, denn von dieser Seite aus sieht manches wieder anders aus.
 

Auch zum Peyto-Lake-Aussichtspunkt gehen wir noch einmal hoch. In Lake Louise biegen wir nach Westen auf den Trans Canada Highway ab.

Am Nachmittag landen wir in Revelstoke auf einem sehr schönen kleinen campground am Wasser (Williamson Lake CG). Die Sonne scheint, und bei 20 Grad C sitzen wir draussen !!!



Ein paar Tage in Revelstoke

Vor uns liegt ein langes Wochenende, denn der 1. Juli ist der kanadische Nationalfeiertag, und er wird wie in den USA auf den Montag verschoben, wenn er auf ein Wochenende fällt. Dann ist wirklich jeder unterwegs. Heute morgen habe ich telefonisch und online vergeblich versucht, an unserem nächsten Ziel einen Platz für das Wochenende zu bekommen (wir hatten es uns schon gedacht).

Unser derzeitiger campground gefällt uns, er hat Wlan und wir sitzen endlich mal wieder in der warmen Sonne (am Nachmittag 25 Grad C). Hier waren für das Wochenende gerade noch zwei Plätze frei, so dass wir uns sofort einen gesichert haben. Wir bleiben einfach bis Montag hier und machen vier Tage Urlaub.

29. Juni: Am Mittag spielen wir eine Runde Golf auf dem sehr schönen Platz des Revelstoke Golf Club, die wir am Vortag im Internet zu einem Discountpreis gebucht hatten. Es hat die ganze Nacht und am Vormittag geregnet, aber zum Glück hört es auf, als wir anfangen.

30. Juni: Heute mal wieder Dauerregen bei maximal 13 Grad C  :-((   Wir verbringen den ganzen Tag im motorhome.

1. Juli, Canada Day, kanadischer Nationalfeiertag. Am Vormittag hört der Regen auf, daher wagen wir es mittags, mit dem Fahrrad in den Ort zu fahren. In einem Park wird gefeiert: eine riesige Torte, von der jeder ein Stück bekommt, eine Band spielt, Kinderbelustigung aller Art etc.


Okanagan Valley: Kelowna und eine tolle Radtour (Myra Canyon)

2. Juli: Heute machen wir einen großen Fortschritt beim Wetter: Der Himmel ist zwar gleichmäßig grau, aber es regnet keinen Tropfen ! Endlich geht es weiter, unser Ziel heute ist Kelowna. Kurz hinter Sicamous stockt der geringe Verkehr; mit schwerem Gerät wird auf der Straße und auf beiden Seiten Geröll bewegt. Hier ist wohl eine Gerölllawine herunter gekommen. Auf einem Parkplatz neben der Straße ist über ein Dutzend Autos teilweise bis zu den Scheiben begraben.

Vor Vernon ändert sich die Landschaft. Die Berge werden niedriger und im breiten Okanagan-Tal ist viel Obstanbau zu sehen. In Kelowna halten wir an einem großen Schild „U-Pick“, hier kann man selbst Erdbeeren pflücken. Schon nach knapp fünfzehn Minuten haben wir 2 kg, so dicht und reif hängen die Beeren an den Stauden.

Wie wir vorher im Internet gesehen haben, sind Campingplätze um Kelowna im Juli recht teuer und meist voll belegt. Einer gefiel uns gut, auf einer Farm außerhalb mit nur zehn Plätzen, aber bei einem Anruf am Vortag erhielten wir leider eine Absage. Da wir in der Nähe sind, schauen wir ihn uns trotzdem an. Und wir können eine Nacht bleiben, da morgens jemand abgesagt hatte. Es ist der Canyon Farms RV Park, ein purer Luxusplatz, zehn liebevoll gestaltete, riesige Stellplätze völlig ruhig mitten im Grünen (und hervorragendes Wlan). 


Nur zwei Kilometer entfernt (McCulloch Road) liegt unser eigentliches Ziel. Eine 8 km lange enge steile Schotterstraße führt hinauf zum Myra Canyon, dem spektakulärsten 6 km langen Abschnitt eines Radwegs über die stillgelegte Strecke der Kettle Valley Railway. Die enge Trasse führt auf diesem Teilstück über 18 Holzbrücken und durch zwei Tunnels. Mit vielen Fotopausen brauchen wir zwei Stunden für die 2 mal 6 km.



3. Juli: Gestern gab es wieder eine Absage, wir nehmen das Angebot an, einen weiteren Tag auf der Farm zu bleiben. Leslie betreibt die Farm fast allein, nur mit Teilzeithelfern, ihr Mann arbeitet in der Stadt. Es gibt Eier von über hundert frei laufenden Hühnern, Blumen und etwas Obst und Gemüse, und natürlich den RV-Platz.

Morgens fahren wir erst einmal zu einer RV- und Truck-Waschanlage. Nach vier Wochen und zwei nassen Schotterstraßen ist die untere Hälfte des Wagens und das gesamte Heck verdreckt. Die Anlage läuft nicht mit Münzen, sondern wird freigeschaltet und man zahlt anschließend pro Minute ($0,85). Das ist natürlich eine sportliche Herausforderung. Ich flitze mit Spritzpistole und Schaumbürste um den Wagen herum und schaffe es in unter acht Minuten.

Dann fahren wir mit Fahrrädern im Bereich der Stadt am Okanagan Lake entlang. Es ist stürmisch und kühl, aber es regnet nicht. Die tollen Häuser entlang der Abbott Street, der City Park, die Marina etc etc., alles sehr großzügig angelegt und schön.

Am Nachmittag lässt sich sogar die Sonne mal blicken und die Temperatur erreicht für kurze Zeit fast 20 Grad. Wir können eine Weile windgeschützt neben dem Wagen draußen sitzen.


Sonne, Erdbeeren, Kirschen und Osoyoos

4. Juli: Tatsächlich, es scheint auch in B.C. noch so etwas wie einen Sommer zu geben. Heute sind endlich nur ein paar weiße Wolken am Himmel, die Sonne scheint den ganzen Tag und die Temperatur klettert auf unglaubliche 23 Grad C.

Wir können nicht widerstehen; die vier Pfund Erdbeeren von vorgestern sind schon weg und wir kommen morgens daran vorbei. Also pflücken wir noch einmal Erdbeeren. Dann geht es weiter in Richtung Osoyoos. Eine äußerst lohnende Strecke in überwiegend sehenswerter Landschaft. Das breite Tal entlang der Seen ist voller Obstbäume und Wein. Irgendwie erinnert uns das an Südfrankreich. 


Unterwegs kommen wir an zahlreichen Campingplätzen vorbei, die unmittelbar an der lauten Straße liegen. Das bestätigt uns in der Abneigung, irgendwo etwas zu reservieren, wenn wir den Platz nicht kennen.

Das Bücken beim Erdbeerpflücken erfordert einen körperlichen Ausgleich (nämlich nach oben). Rd. 3 km vor Oliver kommen wir an einem Schild vorbei “U-Pick cherries“, das Pfund für einen Dollar. Die Bäume hängen voll mit süßen Kirschen. In kürzester Zeit haben wir vier Pfund gepflückt und dabei noch einmal etwa zwei Pfund gegessen.
 

Osoyoos liegt schön am See; hier herrscht irgendwie Urlaubsatmosphäre. Wir fahren langsam an der Ostseite des Sees entlang, wo fünf der sechs Campingplätze liegen. Dort stehen die Wagen dicht gedrängt, auf der anderen Straßenseite ist jeweils ein ganz kleiner Strand, und das für über $50. Das gefällt uns überhaupt nicht.

Wir fahren zum Haynes Point Provincial Park, ein Campground, der in toller Lage als Landzunge in den Osoyoos Lake hineinragt. Die 41 Plätze sind den ganzen Sommer durch Reservierungen belegt (kein Wunder), aber wir wollen ihn kurz ansehen. Zu unserer Überraschung gibt es im Park unmittelbar vor den 41 Plätzen am rechten Rand der kurzen Zufahrtstraße auf der schmalen Landzunge einen breiten Kiesstreifen, der als “Overflow“ genutzt wird. Hier können wir bleiben.

Der Standort ist besser als viele der “offiziellen“ Plätze, die rundum zugewachsen sind. Zwar haben wir keinen Picknicktisch, dafür können wir bis mittags rechts am Wasser in der Sonne sitzen und ab dem Nachmittag links am Wasser und in der Sonne. Der Preis ist mit $30 der gleiche wie auf den sites. Am frühen Abend fahren wir noch einmal mit Fahrrädern die 3 km in den Ort.



Quer über den See verläuft die Grenze Kanada-USA. Heute ist der 4. Juli, der US-Nationalfeiertag. Nach Einbruch der Dunkelheit können wir in 2-3 km Entfernung über den See hinweg ein großes Feuerwerk beobachten.


Coquihalla Canyon und weiter

6. Juli: Nach zwei Tagen trennen wir uns nur schwer von unserem sonnigen Platz am Wasser. Nach noch einmal Schwimmen und Sonnen geht es erst im Lauf des Morgens weiter in Richtung Westen. Der landschaftlich schönste Teil des Wegs liegt zwischen Osoyoos und Keremeos. 


Die weitere Strecke von Princeton nach Hope führt über 130 km fast ständig kurvenreich steil bergauf und bergab. Es bieten sich viele Ausblicke (aber ohne Haltemöglichkeit), aber irgendwann ist es für den Fahrer kein reines Vergnügen mehr.

In Hope besuchen wir den Coquihalla Canyon. Nach ein paar Minuten Fußweg erreichen wir die Othello Tunnels. Hier in Hope beginnt die Strecke der Kettle Valley Railway; auf einem Teilstück hatten wir schon in Kelowna eine Radtour gemacht. Schon zu Beginn führt die Strecke durch fünf Tunnels und über mehrere Brücken mitten durch den Canyon, hoch über dem reißenden Wasser.


In Harrison Hot Springs steuern wir am (Freitag)Nachmittag den Sasquatch Provincial Park mit drei Campingplätzen an. Alle campgrounds sind voll; auch die privaten Plätze in Harrison Hot Springs sind voll. Der nächste Platz im Kilby Provincial Park ist geschlossen (wahrscheinlich wegen Hochwassers, da er direkt am Fluss liegt). Über Mission fahren wir weiter nach Maple Ridge zum Golden Ears Provincial Park, der hat 3 Campingplätze mit über 400 Stellplätzen. Und sie sind alle voll.

Wir denken schon über einen Parkplatz an einem Walmart oder an der Fähre nach Vancouver Island nach, da finden wir an der Zufahrtstraße zum Golden Ears Park den Maple Ridge RV Park. Ein Platz auf einer Wiese, von hohen Bäumen umgeben, Duschen und Toiletten, full hook up und Wlan, das Ganze für $28.

Bisher haben wir fast immer State (bzw. County/City) Parks oder in Kanada Provincial Parks zur Übernachtung aufgesucht, aber in British Columbia kommen uns starke Zweifel, ob das immer das Richtige ist. Oft sind die Parks im dichten Wald mit wenig Licht, haben nichts als ein Plumpsklo und kosten $21 oder $30. Da bieten manche private Plätze mehr für das gleiche Geld, wenn man nicht einen unmittelbar an der Straße nimmt.


Mit der Fähre nach Vancouver Island

Es gibt verschiedene Fähren zwischen dem Festland und Vancouver Island. Wir haben die von Horseshoe Bay (West Vancouver) nach Nanaimo ausgesucht, weil wir zuerst hinüber zur Westküste fahren wollen.

Bis zur Fähre haben wir nur noch wenig mehr als eine Stunde zu fahren, deshalb beeilen wir uns am Morgen nicht zu sehr. Aber vielleicht hätten wir vorher mal nach dem Fahrplan sehen sollen, denn als wir ankommen, ist eine Fähre gerade 20 Minuten weg und die nächste fährt erst in zwei Stunden. Die einfache Fahrt kostet $136 (der Wagen 100, zwei Personen 30 plus 6 Treibstoffzuschlag) und die Überfahrt dauert 90 Minuten. 


Da wir am Nachmittag nicht mehr so weit fahren wollen, steuern wir von Nanaimo aus den ersten Provincial Park in Richtung Norden an, Rathtrevor Beach P.P. in Parksville. Wie fast erwartet ist der Campingplatz voll, aber sie haben einen overflow (Ausweichplatz). Das ist ein Parkplatz mitten im Wald mit absolut sonst nichts, über 500 m vom campground entfernt, aber er kostet trotzdem ebenfalls $30.

Da gehen wir lieber auf den kleinen privaten Campingplatz 300m weiter an der Straße (Big Tent RV Park), zahlen zwei Dollar mehr, haben einen Stellplatz mit Strom und Wasser, die Duschen und Toiletten nur über die Wiese sowie einen kleinen Fluss direkt hinter uns. Und am Abend fahren wir mit den Fahrrädern durch einen kleinen Seiteneingang in den Park, fahren dort am Strand entlang und sind froh, nicht auf dem Park-Camping auf einem der weit zurück mitten im dunklen Wald gelegenen Stellplätze zu stehen.


Von Nanaimo nach Ucluelet

Drei Dinge fallen uns zunächst auf der Insel auf: Das Benzin ($1,349 pro Liter) ist teuer (das war es auch schon in Vancouver; noch in Mission wäre es 9 Cent pro Liter billiger gewesen), es ist deutlich kühler als auf dem Festland (vor allem auf der Westseite) und es ist schwieriger, Wlan zu finden; die libraries etwa haben am Wochenende geschlossen.

Auf dem Weg quer über die Insel gibt es zwei Hauptattraktionen zwischen Parksville und Port Alberni. Die erste ist der Little Qualicum Falls Provincial Park, wo der Little Qualicum River mit mehreren Fällen durch einen engen Canyon schießt. Vom Parkplatz aus gehen wir einen halbstündigen Rundweg, der auf beiden Seiten am Rand des Canyons entlang führt. 


Etwas weiter östlich kommt Cathedral Grove innerhalb des MacMillan Provincial Park, ein kleines unberührtes Gebiet mit bis zu 800 Jahre alten und bis zu 75 m hohen Douglas-Tannen. Es gibt einen kleinen Parkplatz an der Hauptstraße und kurze Rundwege auf beiden Seiten der Straße.



Die Strecke zwischen Port Alberni und Ucluelet ist 90 km lang ohne irgendwelche Zeichen menschlicher Besiedlung. Die Straße führt bergauf und bergab zwischen hohen Bergen und oft durch dichten Wald, auf dem letzten Stück sehr kurvenreich, steil und eng.

In Ucluelet finden wir einen Platz auf dem Ucluelet Campground ($39,20 für einen “non service“-Platz; sie haben auch full hook-ups für $46), direkt am Ortseingang. Wieder einmal nutzen wir unsere Fahrräder für eine kleine Erkundungstour. Nun, wir haben einen Ortsplan bekommen von der Visitor Information an der Ecke, wo die Straße nach Ucluelet abzweigt, aber die vielen steilen Hügel sieht man darauf leider nicht. Am südöstlichen Ende des Ortes stoßen wir schließlich auf den Wild Pacific Trail, wow !! Es ist ein Rundweg, der am Parkplatz in der Nähe des Leuchtturms beginnt. Wir gehen ihn ein Stück hin und zurück, und das lohnt sich wirklich.




Im Pacific Rim Nationalpark

Heute nehmen wir die Strecke zwischen Ucluelet und Tofino in Angriff. Das ist zwar nur eine Entfernung von 39 km, aber wir können leicht den ganzen Tag damit verbringen. Zwischen den beiden Orten durchquert die Straße den Pacific Rim Nationalpark. Entlang der Straße sind einige Parkplätze, von denen entweder Rundwege abgehen oder Wege zum Strand.

Vom ersten Parkplatz aus gehen wir zwei Rundwege von je 1 km auf Stegen durch dichten und (abgesehen vom Steg) unberührten Regenwald (Rainforest Trail). Es ist wirklich beeindruckend. 


Der nächste Parkplatz liegt direkt am Strand (Long Beach). Bei hohen Wellen und auflaufender Flut sind hier zahlreiche Surfer zu sehen.


Der nächste Weg (Spruce Frings Trail zum Combers Beach) führt über 500 m über einen Steg ebenfalls durch den Regenwald hinab zum Strand.


Der folgende Schooner Cove Trail verläuft ebenfalls über einen Steg mit vielen Treppen durch den Wald hinab zum sehenswerten Strand Schooners Cove, wo sich meterhoch die angeschwemmten Baumstämme auftürmen.


Danach quälen wir uns mehrere hundert Meter über eine extrem schlechte Straße hoch zum Aussichtspunkt Radar Hill. Und wir sehen … nichts. Der Aussichtspunkt ist längst rundum zugewachsen mit hohen Bäumen.

Tofino … hmm. Weil es der Endpunkt der Straße ist, muss man da wohl mal gewesen sein, aber sonst ... Entlang der Straße ziehen sich einige Motels, Lokale und Läden hin, darunter unendlich viele Surfshops, und es gibt zahlreiche Angebote für Bootstouren (u.a. Whale Watching). Wenn man nicht gerade Surfer, Hochseefischer oder sonstiger Wassersportler ist, könnte man sich eigentlich die letzten Kilometer sparen. Aber das ist natürlich Geschmackssache.


Am Abend kehren wir zu unserem Ucluelet Campground zurück. Wir hatten es sowieso vor, weil es zeitlich passte, außerdem haben wir heute morgen einen Zettel bekommen, dass es für die zweite Nacht $10 Rabatt gibt und haben verlängert.


Zurück an der Ostküste von Vancouver Island

10. Juli: Wir fahren zurück an die Ostküste von Vancouver Island. In Parksville fahren wir mittags noch einmal in den Rathtrevor Beach Provincial Park, in dem wir vor ein paar Tagen nur abends kurz mit dem Fahrrad waren. Dort verbringen wir eine Weile am Strand, laufen, sitzen ab und zu auf einer Bank und genießen das typische Seewetter bei Sonne, rd. 21 Grad C und einer kühlen Brise vom Meer. Anders als die State Parks in den USA, die für den Besuch Gebühren erheben, sind die Provincial Parks in British Columbia frei zugänglich.

Anschließend fahren wir weiter nach Nanaimo auf den Westwood Lake Campground, etwa 100 m entfernt vom Westwood Lake. Hier ist es wesentlich wärmer, und am kleinen Strand des Sees ist Hochbetrieb. Um den See führt ein 6 km langer Weg, den wir am frühen Abend mit dem Fahrrad fahren.

11. Juli: Wir machen Halt in Chemainus, das für seine bemalten Hauswände bekannt ist. Damit man sie möglichst alle auf einem Rundgang sieht, kann man einer auf der Straße aufgemalten Fußspur folgen. Auch sonst ist das Ortszentrum sehr hübsch.


Am frühen Nachmittag kommen wir bei Doug und Sue in Cobble Hill südlich von Duncan an.


Ausflug nach Victoria

12. Juli: Auf unserem Programm steht heute Victoria, die Hauptstadt British Columbias am südlichen Ende von Vancouver Island. Doug und Sue haben darauf bestanden, uns ihren Van zu leihen, und es ist ein Vergnügen, nach knapp sechs Wochen 30-feet(9 Meter)-motorhome mal wieder ein kleines flottes Auto zu fahren.

Zuerst wollen wir in die berühmten Butchart Gardens. Um einen großen Umweg um die Bucht (Saanich Inlet) zu sparen, überqueren wir sie mit der Fähre Mill Bay–Brentwood Bay (25 Minuten). Mit $34 für einen Pkw mit zwei Insassen ist sie allerdings nicht gerade billig.

Die Butchart Gardens (Eintritt $33 pro Person) sind eine große Gartenanlage in hügeligem Gelände, vor dem jede Gartenschau verblassen muss. Zum Glück sind wir schon gegen 9.30 Uhr dort, ab 10 Uhr schieben sich die Besuchermassen über die schmalen Wege. Der Rundgang dauert etwa eineinhalb Stunden.


Anschließend fahren wir ins Zentrum Victorias um den Inner Harbour (und sind froh, keinen Parkplatz für ein motorhome suchen zu müssen). Dort treiben wir uns etwa zwei Stunden im sehenswerten Bereich Parlament, Empress Hotel und Hafen herum. Hier kann man sicher auch wesentlich mehr Zeit verbringen.



Dann fahren wir zurück nach Cobble Hill, wo wir die letzten Tage bis zu unserem Rückflug verbringen. Das motorhome bleibt hier stehen (nach einer Fahrstrecke von 5.560 Meilen bzw. 8.900 km).

Ein paar Tage später werden wir mit dem Auto zur Fähre Victoria (Swartz Bay)-Vancouver gebracht, auf dem Festland verkehrt ein Bus von der Anlegestelle Tsawwassen zum Flughafen Vancouver.

Im Oktober wollen wir zurückkehren, die Fähre Victoria-Port Angeles (US-Staat Washington) nehmen und auf einer Südwestroute über Oregon, Kalifornien, Utah, Nevada, Arizona und Texas zurück nach Florida fahren, wo unser Winterplatz wartet.

(Anmerkung: Aufgrund eines größeren gesundheitlichen Problems musste diese Reise leider ausfallen. Mitte Dezember 2012 haben wir lediglich das Wohnmobil abgeholt und auf dem schnellsten Weg nach Florida gefahren.)

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