Polen / Ostsee mit dem Wohnmobil



Juni 2007


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Praktische Tipps

Camping-/Stellplätze

Wer nach Polen an die Ostsee fährt, braucht keinen Camping- oder Stellplatzführer. Im Internet findet sich eine nach Regionen unterteilte Liste der Campingplätze in deutscher Sprache (campingpolska). Neben den dort aufgeführten Plätzen gibt es eine Unmenge sehr empfehlenswerte kleine private, einfach ausgestattete Stellplätze, die in der Regel Strom, WC und Waschbecken haben und preiswerter sind als die Campingplätze und auch als viele deutsche Stellplätze “ohne alles“. In jedem Ort sieht man die entsprechenden Hinweisschilder “Camping“ oder “Pole Namiotowe“. Die Preise lagen im Juni 2007 bei den Campingplätzen um 50 zl (13,50 Euro), bei den einfachen “Pole Namiotowe“ zwischen 26 und 36 zl (7-10 Euro) für Wohnmobil und zwei Personen.

Wetter



Einkaufen

In jedem kleinen Ort gibt es einen oder mehrere “Sklep“, wie die Tante-Emma-Läden heißen, die manchmal viel größer sind, als es von draußen aussieht. In kleinen Städten wie Koszalin, Slupsk, Lebork, aber auch z.B. in Ustka oder Darlowo sind Supermarktketten vertreten wie Lidl, Netto, Billa, Bielonka, Intermarche. Lebensmittel sind billiger als in Deutschland.

Fahren

In Polen muss beim Fahren das Licht eingeschaltet sein. Die Fahrweise in Polen ist vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig. Überholt wird völlig unabhängig davon, wie viel Platz weiter vorne zum Einscheren ist. Übrigens: Es gibt auch in Polen stationäre Radaranlagen, die sogenannten Starenkästen.

Geld

Polnische Währung ist der Zloty. Im Juni 2007 lag der Kurs bei 3,70 zl für einen Euro (3. Januar 2017: 4,39). Geld tauschen kann man überall, wo das Schild “Kantor“ steht, das sieht man in jedem größeren Ort, u.a. auch bei jeder Post. Mit der EC-Karte (mit PIN) kann man an allen Tankstellen und auch in Supermärkten zahlen.

Reisezeit

Am Wochenende um den 1. Juli setzt sich halb Polen in Bewegung zur Küste; Hauptsaison sind die Monate Juli und August. Die zweite Junihälfte dürfte die beste Reisezeit sein, dann kann es schon sommerlich warm sein, die Tage sind lang, und fast alle Stellplätze und Lokale sind schon geöffnet.

Sprache

Die Polen machen es uns mit ihrer Sprache nicht leicht, aber wenn man in ein Land reist, sollte man vielleicht schon aus Höflichkeit gegenüber den “Gastgebern“ vorher einige wenige Worte lernen. Zum Beispiel reichen ein “Guten Tag“ (dzień dobry, gesprochen dschien dobre) und ein “Danke“ (dziękuję, gesprochen dschienkuje) oft schon für eine freundliche Reaktion des polnischen Gegenübers. Der Rest läuft über Zeichensprache; häufig trifft man auf Deutsch- und Englischkenntnisse.

Strom

In Polen kommt ein Stift aus der Steckdose (genau wie in Frankreich), daher muss man darauf achten, einen Stecker zu haben, der eine entsprechende Aussparung hat; ansonsten ist ein Adapter erforderlich. Auf einen CEE-Stecker sind wir in Polen nicht gestoßen.

Tanken

Diesel heißt in Polen ON, daneben gibt es nur Euro-Super 95; der Treibstoff ist billiger als in Deutschland. Es gibt Preisunterschiede zwischen den Tankstellen, man sollte sich nicht scheuen, auch mal dem Schild in eine Nebenstraße oder einen vermeintlichen “Hinterhof“ zu folgen. Alle Tankstellen akzeptieren EC-Karte mit PIN, an den großen kann man auch mit Kreditkarte zahlen.


Mit dem Wohnmobil an der Ostsee entlang


Auf unserem Weg nach Polen verbringen wir eine Nacht auf dem guten Stellplatz in Templin. So können wir schon früh morgens über die A11 Berlin-Stettin die Grenze erreichen. Unmittelbar hinter dem Kreuz Uckermark (Abzweig der A20 nach Rostock) folgen 8 km übelster Marterstrecke. Da sind kaum mehr als 50 km/h möglich, wenn das Geschirr nicht aus den Schränken fallen soll, falls nicht direkt der ganze Schrank aus der Halterung bricht. Man kann dieses Teilstück umgehen: auf der A20 bis zur ersten Ausfahrt Prenzlau-Süd, dann nach Osten und in Schmölln wieder auf die A11, ein Umweg von 7 km.

Seit dem Beitritt Polens zum "Schengener Abkommen" gibt es keine Grenzkontrollen mehr, man kann an der Grenze durchfahren (wir mussten noch einen Ausweis vorzeigen). Dahinter folgt ein Stück völlig neu ausgebaute Autobahn. Wir folgen der 6 in Richtung Gdansk über Nowogard und Karlino. Die Straße ist zum größten Teil gut ausgebaut mit einem Seitenstreifen. Es ist üblich, den Seitenstreifen mit zu benutzen, um auch bei Gegenverkehr überholen zu lassen.

Storchennest

Dann sehen wir das erste Storchennest auf einem Strommast neben der Straße. Später werden wir abseits der Hauptstraße auf dem Land noch viele solcher Nester sehen. Auch auf den gemähten Wiesen neben den Straßen sind oft Störche auf Nahrungssuche zu beobachten.

Am Rand der Hauptstraßen werden häufig auf kleinen Tischen oder einfach einer Kiste Waldbeeren, Pfifferlinge, Erdbeeren, Kirschen angeboten.

Hinter Koszalin biegen wir ab auf die 203 in Richtung Darlowo. Jetzt wird die Straße eng und wesentlich schlechter. Wenn ein Lastwagen oder Bus entgegen kommt, muss man ganz schön aufpassen, vor allem in den Allee-Abschnitten. Es gibt viele Schlaglöcher, besonders am Rand.

Allee

Darlowo hat eine sehr nette kleine Altstadt. Eine Fußgängerzone führt zu einem weitläufigen Marktplatz mit einem großen barocken Rathaus, davor ein Brunnen, dahinter eine Kirche. Wir spazieren bis zum Stadttor und wieder zurück. Hier kann man sich durchaus eine Weile aufhalten.

Darlowo-Fußgängerzone

Darlowo-Rathaus

Darlowo-Stadttor


An der Bahnlinie entlang fahren wir anschließend die Stichstraße zum Meer nach Darlowko. Nachdem die Straße eine Rechtskurve macht und parallel zur Ostsee verläuft, ist viel Betrieb, an der Straße aufgereiht viele Hotels und mehrere Campingplätze. Am Ende der Straße ist der kleine Hafen. Nur mit Mühe finden wir einen Parkplatz und drehen eine kurze Runde zu Fuß. Ganz nett, aber doch nicht so, dass wir hier länger bleiben möchten.

Darlowko-Leuchtturm

Darlowko-am Hafen


Wir haben im “Bordatlas“ zwei Stellplätze in dieser Gegend gefunden und wollen sie uns ansehen. In Kopan befindet sich Euro-Camping, ein großes Werbeschild stand schon in Darlowo. Wir sehen eine große Wiese, ein kleines WC-Häuschen; auf dem Platz steht ein Wohnwagen. Wir wollen keinen Rummel, aber so einsam muss es dann auch wieder nicht sein. Angeblich soll es 5 Euro pro Nacht kosten, und die Umgebung ist vielleicht ganz schön.

In Barzowice liegt direkt hinter der Abzweigung in Richtung Wiece Camping Werner, eine kleine Wiese direkt an der Straße, weit weg von allem. Was soll uns bloß bewegen, uns hier einzurichten, und dann auch noch für 10 Euro pro Nacht?

Jaroslawiec ist relativ groß. Hier sieht es nach sozialistischer Massenerholung aus, auf beiden Seiten der Straße sehen wir jede Menge hässliche große Ferienheime oder Grundstücke mit dicht an dicht stehenden Ferienhäuschen. Es ist viel los, an der Straße sind Mengen von Fußgängern unterwegs. Unser Reiseführer schreibt: “Wunderschöne, unberührte Natur findet man an den Seen K. und W., zwischen denen inmitten ländlicher Stille der kleine Fischerort Jaroslawiec liegt.“ Hm, tja, da müssen wir wohl irgend etwas falsch sehen.

Am westlichen Rand von Slupsk ist neben der Straße ein großer “real“, davor eine Tankstelle “NESTE“. Es ist bisher die billigste, später sehen wir noch mehrere NESTE-Tankstellen im Bereich Gdynia/Gdansk. Die Tankstelle hat nur Automaten, die nehmen Scheine oder EC-Karte mit PIN; es ist etwas kompliziert, aber keine Angst.

Der Schlitz für die Karte ist in der Mitte etwas tiefer, man kann links eine Taste für deutsch drücken und folgt dann den Anweisungen im Display. Karte einschieben, PIN eingeben + Taste E, dann einen Zloty-Betrag eingeben (man muss also vorher wissen, wie viel höchstens reinpasst und was das dann kostet), dann die entsprechende Taste für die rechte oder linke Säulen-Nr. drücken, die Karte entnehmen, jetzt endlich tanken. Danach Karte wieder einschieben, jetzt wird die Quittung gedruckt.

Wir fahren nach Rowy. Dort haben wir auf unserer Tour ins Baltikum 2004 unseren Lieblingsplatz in Polen entdeckt, und wir wollen auch diesmal dort einige Tage verbringen. Rowy hat nach unserer Ansicht mehrere große Vorteile. Es ist erstens eine Sackgasse mit einer relativ langen Zufahrt, hat also keinen Durchgangsverkehr. Zweitens liegt dahinter der Slowinski-Nationalpark, es gibt auf rd. 30 km nach Osten keinen Ort und keine Straße am Meer; geht man am Strand zwei Kilometer entlang, ist man bald allein; dort ist auch FKK üblich. Drittens gibt es in der Gegend, auch durch den Nationalpark, zahlreiche Möglichkeiten zum Radfahren. Und schließlich viertens gibt es den kleinen privaten Campingplatz Wagabunda.

Auf der Zufahrtsstraße in den Ort liegt links der große Campingplatz Nr. 156, Preis 51 zl. Er liegt recht weit von Ort und Strand entfernt. Hält man sich im Ort sofort rechts, landet man an der Kirche, die ungewohnt am Ortsende steht. Dort sind drei kleine private Campingplätze, ein sehr kleiner links von der Kirche, zwei rechts davon. Der erste rechts heißt Krystyna, der zweite Wagabunda (Koordinaten: 54°39´55´´ N  17°03´26´´ O).

Camping Wagabunda

Camping Wagabunda-Einfahrt

Wagabunda besteht aus zwei großen Wiesen, vor dem Haus mit größeren Bäumen, hinter dem Haus mit noch kleinen Bäumen. Es gibt sehr saubere geheizte Sanitärräume mit warmen Duschen und Toiletten, draußen ein Ausguss für Chemie-Toiletten. An der Rückseite des Hauses kann man Geschirr spülen. Die freundlichen Besitzer bieten in einer abgeschlossenen Holzhütte auch eine Abstellmöglichkeit für Fahrräder an. Und dafür zahlen wir inkl. Strom nur 28 zl, im Juni 2007 sind das rd. 7,50 Euro ! Berechnet werden nämlich nur die Personen mit jeweils 11 zl + Strom 6 zl; Wohnmobil, Wohnwagen oder Zelt werden nicht berechnet. Es ist am östlichen Ortsende sehr ruhig, zu Fuß sind es in den Ort oder zum Strand nur ein paar Minuten.

Es ist sonnig bei 25º, und wir nutzen den nächsten Tag am Strand. Der Abfluss des Gardno-Sees mit dem kleinen Hafen teilt den Strand im Ortsbereich. Auf der Westseite liegen alle großen Ferienheime (und auch der Campingplatz 156), dort ist es bei entsprechendem Wetter recht voll. Auf der Ostseite ist es erheblich leerer, außerdem beginnt hier der endlose Strand entlang des Nationalparks. Wir laufen zwanzig Minuten nach Osten und sind allein.

Rowy-Strand

Auf dem Rückweg kommen wir an der Kirche vorbei. Es ist Sonntag Nachmittag, und vor der Kirche stehen zwei Reihen Bänke, alle voller Menschen. Aus zwei Lautsprechern an der Kirche wird der Gottesdienst nach draußen übertragen, weil drinnen alle Plätze belegt sind !

Am folgenden Tag gehen wir auf Radtour. Man kann für wenige Zloty Gebühr in den Nationalpark und dort endlos durch den Wald fahren, aber heute nehmen wir die andere Richtung, erst die Straße nach Debina, dann nach Poddabie. Das ist ein ziemlich trostloses Nest mit ein paar Appartmenthäusern; eine Straße als Sackgasse, zwei Zugänge zum Strand. Wir fahren weiter durch den Wald nach Wylowna und machen unterwegs 20 Minuten Pause zum Waldbeeren pflücken.

Es gibt einige ausgeschilderte Radwege in dieser Gegend, aber man darf natürlich keine asphaltierten Wege erwarten. Oft bestehen sie aus Betonplatte gelocht, Modell Ost, häufig sind sie so sandig, dass man auch mal etwas schieben muss. Für den Rückweg machen wir es uns daher einfacher und nehmen die Landstraße über Objazda.

Rad-und Wanderweg


Am späten Nachmittag fahren wir mit dem Roller die 20 km nach Ustka, eine kleine Stadt mit einem Hafen und einem Leuchtturm.

Ustka-Leuchtturm

Ustka-Promenade


Im Bereich des Hafens gibt es eine recht freundliche Straße mit Geschäften, dann eine lang gestreckte Promenade. Wir wollen in der Post Geld wechseln, aber es ist zu voll.

Ustka-Postkiosk

Kurz hinter dem Leuchtturm steht ein Postkiosk an der Promenade, davor ist es leer, und der Kurs ist minimal besser als in der “großen“ Post, komisch. Anschließend setzen wir einen Teil des getauschten Geldes im Supermarkt Netto um und fahren zurück nach Rowy.





Am nächsten Tag erkunden wir die Gegend östlich von Rowy mit dem Roller. In Smoldzino ist am Ortseingang genau gegenüber der Tankstelle der Aufgang zum 115 m hohen Berg Rowokol.

Aufgang zum Rowokol

Aussichtsturm Rowokol

Wir steigen rd. 15 Minuten bergauf. Oben steht ein Aussichtsturm; laut Aushang kostet es 3 zl, im Eingang sitzt eine Polin und winkt uns durch, warum auch immer.



Aussicht vom Rowokol

Der Aufstieg hat sich gelohnt. Von der Plattform hat man eine sehr gute kilometerweite Rundumsicht. Rowy ist deutlich zu sehen, ganz im Osten geht der Blick bis zu den Dünen von Leba.

Weiter geht es nach Czolpino, von oben haben wir den Leuchtturm gesehen und wollen nun dorthin. Am Ende der Straße nehmen wir den linken Parkplatz. An der Einfahrt zählt eine große Preistafel zahlreiche Tarife von Bus bis Fahrrad auf. Die junge Frau an der Schranke spricht nicht schlecht deutsch; sie deutet auf den Roller und sagt “Ich finde, was Sie haben, ist nichts“ und lässt uns kostenlos parken.

Der Weg führt zum Strand, der andere Parkplatz wäre wohl günstiger gewesen. Wir biegen vorher rechts ab, machen wieder eine Pause zum Blaubeerpflücken. Entsprechend sehen unsere Hände danach aus. Nach einer halben Stunde Weg biegen wir rechts ab zum Turm (Gebühr 2 x 3 zl). Der Aufstieg lohnt sich aber nicht sehr, der Blick von der Plattform auf dem Berg war interessanter.

Leuchtturm CzolpinoCzolpino - Übergang zum Strand

Wir klettern über eine hohe Düne und gehen am Strand entlang zurück zum Parkplatz. Von dort fahren wir noch nach Klucki, zum Besuch des Freilichtmuseums sind wir aber nach dem langen Marsch zu müde.

Das Rollerfahren macht auf diesen schmalen Straßen mit sehr wenig Verkehr großen Spaß. Mit dem Fahrrad wäre es auch schön, aber die Entfernungen sind einfach zu groß. Heute sind wir insgesamt 86 km mit dem Roller gefahren.

Wir haben noch eine Menge vor, daher trennen wir uns am folgenden Morgen von unserem Lieblingsplatz in Rowy und fahren weiter. Auf dem Rückweg werden wir hier noch einmal drei Tage bleiben.

Wir fahren die 213 nach Osten (in Richtung Puck) und biegen in Wicko ab nach Leba. Leba ist der wohl lebhafteste Urlaubsort an der polnischen Ostseeküste oder anders ausgedrückt, hier ist der weitaus meiste Rummel. Es gibt mehrere große Campingplätze. Wie wir später hören, sind hier die Preise am höchsten und es wird sogar eine Kurtaxe erhoben. Wir drehen eine ausführliche Runde mit dem Wohnmobil und haben das Gefühl, uns hier nicht so richtig wohlfühlen zu können. Daher fahren wir wieder zurück zur 213 und weiter nach Osten.

Hinter Zarnowiec biegen wir auf die 5 km lange Stichstraße nach Debki ein, ein Ort mit einem der zwei oder drei offiziellen FKK-Strände in Polen. Aber Debki ist nicht der alte Fischerort aus den Reiseführern. Am Ende der Stichstraße ist rechts und links jeweils eine rd. 1,5 km lange Sackgasse, beide dicht gesäumt von Kiosken, Eis- und Imbissbuden, Souvenirständen, Pensionen und wenigen einfachen kleinen Saison-Campingplätzen. Am Ende der westlichen Sackgasse parken wir das Wohnmobil und gehen zu Fuß rd. 20 Minuten weiter, dann über die Dünen zum Strand.

Debki-Strand


Nach etwa zwei Stunden fahren wir weiter. Auf der 213 folgen wir hinter Krokowa dem Schild wieder zur Küste nach Karwia. Wir finden auch hier ein Straßendorf mit den üblichen Verkaufsständen. Dahinter führt die Straße ein paar Kilometer an den Dünen entlang, es gibt einige Parkplätze und viele Wege zum Strand.

Über Wladislawowo erreichen wir die Halbinsel Hel. Im Bereich Chalupy reiht sich auf der rechten Seite ein Campingplatz an den anderen. Das flache Wasser der Bucht ist offenbar ein hervorragendes Revier für Windsurfer. Aus unserer Sicht hat das Ganze aber einen großen Nachteil. Die Halbinsel ist hier mit rd. 200 m äußerst schmal, und so liegen Campingplätze, verkehrsreiche Durchgangsstraße, Bahnlinie und Strand unmittelbar nebeneinander.

Das ist nicht unser Geschmack, und so kehren wir in Jastarnia wieder um und fahren über Puck und Reda in Richtung Danzig. Mühsam bewegen wir uns durch dichten Verkehr trotz vierspuriger Straße langsam voran durch Gdynia nach Sopot.

In Sopot laufen wir Camping 67 an. Der weiter nördlich gelegene Camping 19 liegt zwar nur 200 m von einer Bahnstation nach Danzig entfernt, aber wozu haben wir einen Roller? Hinter dem Platz führt ein langer Rad- und Fußweg am Strand entlang und wir machen einen ausgiebigen Abendspaziergang. Auf diesem Platz zahlen wir das einzige Mal eine Kurtaxe (6,40 zl pro Person).

Früh am nächsten Morgen fahren wir mit dem Roller die 12 km zur Altstadt von Gdansk/Danzig. Dort fahren wir zunächst ein paar Runden, um uns einen Überblick zu verschaffen. Dann parken wir den Roller direkt an der kleinen Brücke mit Blick auf das Krantor, das Wahrzeichen von Danzig, und erkunden alles ausgiebig zu Fuß.


Als nächstes wollen wir in Malbork die Marienburg besichtigen, größte gotische Ritterburg Europas und UNESCO-Weltkulturerbe. Wir kommen von Westen aus Richtung Tczew und biegen an der ersten Kreuzung (vor der Brücke über den Fluss) nach links ab. Auf dem gegenüberliegenden Ufer leuchtet die Burg in der Nachmittagssonne. Genau gegenüber der Burg, kurz vor der Fußgängerbrücke über den Fluss, ist auf der linken Straßenseite ein Stellplatz, den wir anfahren; eine kleine Wiese neben einem Wohnhaus (große gelbe Plane mit blauer Schrift Parking und Noclegi). Die Übernachtung kostet 30 zl, Strom 5 zl, geboten werden dafür ein kleines Becken mit Wasserhahn im Garten, Ruhe und eine ideale Lage zur Burg.

Marienburg

Marienburg

Stellplatz Malbork

Es ist 17.30 Uhr und wir machen noch einen kleinen Spaziergang über die Fußgängerbrücke zur Burg, die wir uns dann morgen ansehen wollen. Aus einem Tor kommen viele Menschen, wir denken, vielleicht ist dahinter irgendwo eine Kasse, da können wir für morgen früh schon mal nach Öffnungszeit und Preisen sehen und gehen hinein. Es kommt aber keine Kasse. Als ich mich nach 20 m umsehe, sehe ich einen Wärter von der Seite kommen und sich (vermutlich wieder) am Tor aufstellen. Na sowas; wie sagte schon Boris in der Werbung? “Jetzt bin ich schon drin“ oder so ähnlich. Wir gehen durch ein zweites Tor, dann über eine Zugbrücke und sind in einem großen Innenhof.

Marienburg-Durchgang

Marienburg-Innenhof

Über eine Stunde lang gehen wir treppauf und treppab durch eine Reihe von Räumen mit ausgestellten Rüstungen, Schwertern, Gemälden, Münzen etc. etc. Als wir nach einer Stunde durch das erste Tor die Burg wieder verlassen, sehen wir schließlich auf der gegenüberliegenden Straßenseite die Kasse und lesen dort Eintrittspreis 30 zl, nur mit Führer, geöffnet bis 19 Uhr.

Von unseren Stellplatznachbarn erfahren wir später, dass die Besucher am Eingang warten müssen, bis sie gruppenweise von einem polnischen Führer abgeholt werden. Eine deutsche Führung kostet 150 zl extra und kann auf die Teilnehmer umgelegt werden. Na, das war doch heute mal ein richtiges Erfolgserlebnis, wir haben nicht nur Geld, sondern einen halben Tag gespart.

Von Malbork nach Elblag sind es nur rd. 30 km. Der Campingplatz liegt am Fluss (der auch Elblag heißt), ist ausgeschildert und daher leicht zu finden. Leider haben ihn auch jede Menge anderer Wohnmobilreisende gefunden, u.a. mindestens eine Gruppenfahrt, so dass es nur wenige Lücken gibt. Für den Preis von 48 zl ist er recht komfortabel, u.a. mit geheizten Sanitärräumen.

In ein paar Minuten erreichen wir zu Fuß das Zentrum um die Nikolai-Kirche, wo die 1945 völlig zerstörte Altstadt seit vielen Jahren mit Erfolg rekonstruiert wird: bunte Giebelhäuser, mit Kopfstein gepflasterte Straßen etc., sehr schön.

Elblag-Altstadt

Elblag-Altstadt


Vorschau Elblag Zentrum
Webcam Elblag Zentrum


Wir sind hierher gekommen, um den Elblag-Ostroda-Kanal zu sehen; dort überwinden die Schiffe Höhenunterschiede nicht durch Schleusen, sondern werden auf Loren gesetzt, die man wiederum auf Schienen über Land zieht.

Die Schiffe fahren täglich um 8 Uhr ab. Bereits die kürzere Tour nach Buczyniec dauert fünf Stunden, nach Ostroda wesentlich länger, wir wollen daher nur bis Buczyniek fahren (Fahrpreis einfach 70 zl pro Person). Man kann mit einem anderen Schiff die gleiche Strecke zurück fahren. Der Campingplatzbetreiber verkauft die Schiffsfahrkarten für den nächsten Morgen und vermittelt auch eine Rückfahrt mit dem Taxi.

Die Anlegestelle liegt nur ein paar hundert Meter vom Campingplatz entfernt. Heute fahren wegen entsprechenden Andrangs zwei Schiffe; das hat den Vorteil, wie wir bald merken, dass man an den fünf “Rollbergen“ das andere Schiff gut beobachten kann.

Ganz gemächlich geht es den Fluss entlang, dann durchquert das Schiff den dicht mit Seerosen und Schilf bewachsenen Druzno-See, bevor es in den eigentlichen Kanal geht. Einige niedrige Brücken kann man vom Deck aus fast mit der Hand erreichen.

Endlich kommt die erste Landpartie. Das Schiff fährt langsam zwischen zwei aus dem Wasser ragenden Balken auf den unter Wasser liegenden großen Gitterwagen, dann setzt sich ein großes Rad in Bewegung, mit einer Stahltrosse wird der Wagen langsam aus dem Wasser und auf Schienen den Berg hinauf gezogen.


Auf halbem Weg begegnet uns ein leerer Wagen, der im gleichen Tempo abwärts gleitet; an der nächsten Stufe ist der Wagen in Gegenrichtung mit einem Schiff beladen. Oben enden die Schienen unter Wasser und das Schiff schwimmt wieder.


Nach fünf solcher Stufen kommen wir um 13 Uhr in Buczyniec an, verlassen das Schiff, das nach Ostroda weiterfährt, und fahren zu viert mit einem Taxi zum Campingplatz zurück.

Die Stufen sind auch mit dem Wohnmobil erreichbar, wie wir am nächsten Tag ausprobieren. Von Elblag aus geht es auf der 7 in Richtung Süden, in Höhe Paslek rechts ab auf die 526 und über Krosno nach Jelanki; kurz vor Jelanki (526) führt eine Brücke über den Kanal (links ein farbiges Hinweisschild), direkt vor der Brücke ist ein kleiner Parkplatz (Koordinaten: 54°02´15´´ N  19°34´30´´ O). Von hier aus hat man schon einen Blick auf die erste Stufe; ein Weg führt dicht an Kanal und Stufe entlang bis oben zum Maschinenhaus, in das wir hinein können. Die Schiffe aus Elblag kommen hier gegen 10 Uhr vorbei.


Nur etwas weiter südlich auf der 7 zweigt gegenüber einer Lotos-Tankstelle der Weg nach Buczyniek ab (in Richtung Lepno, rechts ein kleines Schild “Buczyniec 9 km“), über Nova Wies und Katy geht es nach Buczyniec zur Anlegestelle direkt an der Oberkante der letzten Stufe. Dort gibt es auch einen kleinen Stellplatz (Koordinaten: 53°58´37´´ N  19°37´13´´ O).

Wir fahren auf der 7 ein Stück zurück in Richtung Gdansk und biegen dann nach Norden ab, um über Stegna nach Krynica Morska auf die Frische Nehrung zu fahren. Dort gibt es mehrere Campingplätze.

Vielleicht liegt es am stürmischen Wetter, dass es uns hier nicht besonders gefällt, daher drehen wir schon nach einem eher kurzen Spaziergang zum Meer wieder um in Richtung Gdansk. In Sztutowo sind die Reste eines Konzentrationslagers zu besichtigen, aber dazu haben wir schon gar keine Lust. Mit einer kleinen Fähre geht es über die Weichsel.

Bei Sztutowo

Bei Sztutowo

Weichselfaehre

Ein paar Kilometer weiter, in Sobieszewo, überqueren wir auf einer abenteuerlichen Pontonbrücke einen weiteren Weichselarm.

Sobieszewo-Pontonbrücke

Sobieszewo-Pontonbrücke

Sobieszewo-Pontonbrücke


Wir wollen das verkehrsreiche Gdansk umfahren. Als wir die 7 erreichen, biegen wir daher links nach Südosten ab und nach ca. 2 km wieder rechts auf die 226 nach Pruszcz Gdanski (dort am Kreisverkehr rechts über die Bahnbrücke). An der Kreuzung mit der 1 geht es wieder rechts und nach ein paar hundert Metern links in Richtung Straszyn, wo wir auf die Autobahn nach Norden auffahren. Das klappt alles recht problemlos.

Weil es uns dort am besten gefallen hat, fahren wir zurück bis nach Rowy und verbringen dort noch ein paar Tage auf “unserem“ Campingplatz Wagabunda.

Drei Tage später geht es wieder weiter. Da wir den Küstenabschnitt westlich von Koszalin/Mielno auf der Hinfahrt ausgelassen haben, umfahren wir nun Koszalin im Norden und fahren über Lazy auf dem schmalen Landstreifen nach Mielno.

Wir können uns nicht entscheiden, welches nach unserer Ansicht der hässlichste Ort an der Küste ist, aber Mielno ist auf jeden Fall in der Spitzengruppe.

Auf unserer ersten Polenreise haben wir einmal eine Nacht auf dem Camping Rodzinny (Nr. 105) in Mielno verbracht. Spät am Abend klopfte es an der Tür. Eine halbwegs deutsch sprechende Dame bat uns im Auftrag des Nachtwächters, das mit dem Heck zum Zaun stehende Wohnmobil umzudrehen, damit der Nachtwächter den auf dem Heckträger befestigten Roller und die beiden Fahrräder darüber im Auge habe. Wir haben das mit dem Hinweis auf mehrere Schlösser abgelehnt. Allerdings war die Nachtruhe danach nicht mehr optimal. Heute würden wir das viel lockerer sehen.

Weiter geht es nach Kolobrzeg. Dort gibt es einen Campingplatz und einen einfachen kleinen Stellplatz am Jachthafen, den wir uns ansehen. Man folgt den Schildern in Richtung Port, dann dem blauen Camping-Hinweisschild. Über den Parkplatz führt die Zufahrt auf eine kleine Wiese dahinter. Der Preis beträgt 40 zl inkl. Strom und WC, die Dusche kostet 2 zl.


Das hält uns nicht unbedingt fest. Über Rogowo, wo langgestreckte Fabrikruinen eine seltsame Atmosphäre verbreiten, und Mrzezyno fahren wir weiter nach Westen.

In Trzebiatow staunen wir plötzlich und halten für einen Rundgang an. Rund um einen quadratischen Platz, in dessen Mitte das Rathaus mit einem Uhrenturm steht, reihen sich gut renovierte alte Giebelhäuser aneinander. Dahinter erhebt sich eine mächtige Kirche. Das ist wirklich einen kurzen Aufenthalt und ein paar Fotos wert.

Trzebiatow

Trzebiatow

Trzebiatow

Trzebiatow

Auch in Rewal gefällt es uns recht gut. Endlich einmal kein Straßendorf, sondern ein etwas größerer Ort. Attraktiv ist vor allem der gepflasterte Weg, der oberhalb des Strandes entlang führt. Nur 4 km weiter in Pustkowo bleiben wir über Nacht beim Pole Nawiotowe “U Stefana“, kurz vor dem westlichen Ende der einzigen Parallelstraße neben der Hauptstraße. Den Tipp haben wir von einem Nachbarn in Rowy bekommen. Ruhig, sehr einfach, aber sauber, Kosten 26 zl (zzgl. Strom 6 zl, Dusche 2 zl).

Von hier aus fahren wir mit dem Rad über einen gepflasterten Fuß-/Radweg bis nach Rewal. Kaum sind wir dort angekommen, fängt es in Strömen an zu regnen und hört auch nach einer Stunde noch nicht auf. Also machen wir uns auf den Rückweg und kommen ziemlich nass nach Pustkowo zurück. Allerdings werden wir einigermaßen getröstet von dem hervorragenden Kebab, das uns eine nette deutsch sprechende junge Dame in dem kleinen Imbiss an der Ecke vor unserem Stellplatz überreicht .

Am nächsten Morgen fahren wir von hier aus  wieder nach Hause.

Autor: Wolfgang Müller, Osceola, FL